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Privatwaldprojekt Burladingen

Sehr geehrte Waldbesitzer im Bereich des Privatwaldprojektgebiets Eichland,
die für den 26.11.2020 vorgesehene 2. Informationsveranstaltung in der Stadthalle Burladingen musste leider coronabedingt abgesagt werden. Ersatzweise erhalten Sie nachfolgend Informationen darüber, was bisher erarbeitet wurde und welche Möglichkeiten für Sie als Waldbesitzer bestehen, bei der Bewirtschaftung ihrer Grundstücke hin zu einem klimastabilen Wald voranzukommen. Wir wissen, dass dieses Schreiben die Informationsveranstaltung nicht ersetzen kann. Wir hätten sehr gerne die Gespräche und Diskussionen mit Ihnen vor Ort geführt.

Um trotzdem ein Stimmungsbild von Ihnen zu erhalten, haben wir Ihnen einen kleinen Fragebogen ((21,7 KB)) mit angefügt. Wir bitten Sie diesen zu beantworten und dem Forstamt bis zum 15. Januar 2021 zurückzusenden.

1. Aktivitäten seit der 1. Infoveranstaltung am 29.01.2020
a.) Waldtauschbörse
Die Ausgestaltung einer Tausch- und Handelsplattform gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es wird an verschiedenen Ansätzen gearbeitet. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden Sie zeitnah informiert.
- Bisher eingegangen sind:
o 3 Verkaufsangebote von Wäldern
o 2 Nachfragen zum Waldankauf
Zwei Wälder wurden seit Januar 2020 unabhängig vom Forstamt verkauft.
b.) Waldbewertung
Zum Thema Waldbewertung sind folgende Aktivitäten diesen Sommer angelaufen:
- Waldbewertungslehrgang der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg:
o An 4 Waldbewertungsterminen im Zeitraum vom 08. Juli bis 15. Juli 2020 wurden 12 zufällig über ein Stichprobenraster ausgewählte Waldparzellen bewertet.
achelorarbeit an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg:
Aktuell wird eine Studienarbeit zur Entwicklung eines vereinfachten Waldbewertungsverfahrens verfasst. Das Ziel der Bachelorarbeit ist ein unkompliziertes, aber trotzdem genaues Verfahren zur Waldwertermittlung zu entwickeln. Auf rund 90 Privatwaldparzellen wurden dazu Daten erhoben. Die genauen Ergebnisse stehen noch aus.
o Die bisher vorliegenden Daten zeigen:
- Die Fichten weisen Baumhöhen von 20 bis 34 Meter auf. Die durchschnittliche Baumhöhe liegt bei 27 Meter.
- Teilweise stehen extrem hohe Holzvorräte in den Wäldern. Im Durchschnitt liegt der Vorrat bei rund 950 Festmetern pro Hektar.
c.) Standortskartierung
Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg wird im Projektgebiet im Jahr 2021 mit einer Standortskartierung beginnen. Dabei wird über ein Stichprobenraster verteilt der Standort, also der Bodenzustand kartiert. Dieser Service ist für die Privatwaldbesitzer kostenlos, die Koordinierung übernimmt das Forstamt.
Auf Grundlage der fertigen Kartierung können wir dann die Beratung der Privatwaldbesitzer hinsichtlich der zukünftigen Baumarteneignung im Klimawandel und beim Waldumbau verbessern.

2. Aktueller Waldzustand
a.) Waldbauliche Situation und Probleme
Die sehr stark fichtendominierten Privatwälder im Projektgebiet weisen sehr hohe Holzvorräte auf. Holzvorräte von 700 bis über 1.000 Vorratsfestmeter sind keine Seltenheit.
Derzeit bestehende waldbauliche Probleme im Projektgebiet sind:
- Jahrzehntelanger Dichtstand hat zu instabilen und z.B. gegenüber Borkenkäfer, Sturm und Schneedruck sehr anfälligen Wäldern geführt.
- Je nach Parzelle findet man sehr differenzierte Pflegezustände der Wälder, von optisch gut gepflegt bis katastrophal findet man alles. Trotz guter Standorte ist der Durchmesserzuwachs i.d.R gering.
- Die Grenzverläufe, Flurstücksformen und die fehlende Erschließung erschweren die Waldbewirtschaftung enorm, oder verhindern diese gänzlich.
- Ein Auflaufen von Naturverjüngung ist in den dunklen Wäldern kaum möglich. Im Schadensfall muss teuer wiederaufgeforstet und mit hohen Folgekosten gerechnet werden.
b.) Waldbauliche Handlungsmöglichkeiten
Nachfolgend möchten wir Ihnen verschiedene Lösungsansätze aufzeigen:
- Schwache, in regelmäßigen Abständen wiederkehrende Pflegeeingriffe um die sehr hohen Holzvorräte langsam abzusenken. Damit kann eine Stabilisierung der Bestände erreicht werden.
- Der Zusammenschluss mehrerer Waldbesitzer zu gemeinsamen, flurstücksübergreifenden Holzernteaktionen.
- Förderung von Naturverjüngung durch gezielte Lichtgabe bei der Durchforstung.
- Größere verwilderte Waldflächen aufräumen und mit mehreren standortsgerechten Baumarten einen klimastabilen Mischwald pflanzen. Hierfür können auch Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.
c. ) Finanzielle Betrachtungsweise
Unter finanziellen Gesichtspunkten erleiden Sie als Waldbesitzer bei der Nichtbewirtschaftung Ihrer Wälder einen finanziellen Verlust. Bei guten Holzpreisen sind erntekostenfreie Erlöse von 60 € pro eingeschlagenem Festmeter Holz denkbar. Bei regelmäßigen Pflegeeingriffen (alle fünf Jahre) könnten Sie mit Erlösen von circa 3.000 € pro Hektar und Eingriff rechnen. Betrachtet man ein ganzes Bestandesleben, so beläuft sich der finanzielle Verlust bei Nichtbewirtschaftung auf etwa 40.000 € pro Hektar.

3. Entwicklungsmöglichkeiten für eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung
a.) Flurbereinigung und freiwilliger Landtausch (Frau Riehle, Amt für Flurneuordnung)
Möglichkeiten einer Waldflurneuordnung
Ziel einer Waldflurneuordnung ist, Grundstücke so zusammenzulegen, dass forstwirtschaftlich rentable Einheiten gebildet werden können. Die Erschließung der Grundstücke wird durch den Bau öffentlicher Wege verbessert. Flächen für Holzlagerplätze werden an geeigneter Stelle bereitgestellt. Durch Bodenordnung können auch die Voraussetzungen zur Bildung einer Forstbetriebsgemeinschaft geschaffen werden.
Neben den ökonomischen, können auch ökologische Zielsetzungen wie z.B. eine naturnahe Waldbewirtschaftung oder Waldumbau verfolgt werden.
- Vorteile für den Waldbesitzer
o Durch entsprechende Zusammenlegung können forstwirtschaftlich rentable Grundstücksgrößen (Bewirtschaftungseinheiten) geschaffen werden.
o Erschließungsdefizite werden behoben.
o Möglichkeiten der Holzlagerung können verbessert werden.
o Miteigentumsverhältnisse können in einem Flurneuordnungsverfahren aufgelöst und Eigentumsverhältnisse geklärt werden.
Die Grenzen im Wald können durch die Neuordnung vereinfacht, begradigt und möglichst parallel ausgerichtet werden. Dies erleichtert das Auffinden der Grenzpunkte. Dies führt zu mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten.
- Voraussetzungen für eine Neuordnung von Waldflächen
Die Grundeigentümer sollten grundsätzlich bereit sein:
o Eigene Waldflächen ganz, oder teilweise abzugeben und im Gegenzug neue Waldflächen zu übernehmen, ggf. mit entsprechendem Geldausgleich.
o Kleine oder kleinste Waldflächen zu verkaufen.
o Den nicht durch Zuschüsse gedeckten Anteil der Flurbereinigungskosten zu übernehmen. Das heißt also, bereit zu sein in den Wald zu investieren und die Flurbereinigungskosten erst in den nachfolgenden Jahren durch die Waldbewirtschaftung wieder zu erwirtschaften.
o Das für die erforderlichen Wege und Holzlagerplätze benötigte Land über einen Landabzug aufzubringen.
Die Waldeigentümer werden im Vorfeld eines Waldflurneuordnungsverfahrens intensiv durch die Forst- und Flurbereinigungsbehörde betreut und über die genauen Rahmenbedingungen, die Kosten und den Landabzug informiert.
b.) Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft (FBG)
Eine Forstbetriebsgemeinschaft ist ein privatrechtlicher Zusammenschluss von Grundbesitzern. Der Zusammenschluss verfolgt den Zweck die Nachteile geringer Flächengrößen, ungünstiger Flächenausgestaltung, Besitzzersplitterung und andere Strukturmängel zu überwinden. Es kann die Rechtsform einer juristischen Person des Privatrechts, eines wirtschaftlichen Vereins, einer Genossenschaft, oder einer Kapitalgesellschaft gewählt werden.
Deutschlandweit haben über 90 % aller Forstbetriebsgemeinschaften die Rechtform des wirtschaftlichen Vereins gewählt.
- Die Wahl eines wirtschaftlichen Vereines hat folgende Vorteile:
o Einfache und kostengünstige Organisation
o Gestaltungsfreiheiten bei der Vertragsinhalten
o Anerkennung und Verleihung der Rechtsfähigkeit durch die höhere Forstbehörde
- Die Aufgaben einer FBG sind:
o Holzmengenbündelung
o Organisation und Durchführung von Forstarbeiten
o Beantragung von Fördermitteln, z.B. Mittel für die Schadholzaufarbeitung oder Wiederaufforstung , sowie der Überwindung von Förderschwellen
o Beschaffung von Pflanzmaterial
- Gründungsvoraussetzung ist der Zusammenschluss von mind. 7 Grundbesitzern
- Eine Forstbetriebsgemeinschaft hat folgende Organe zu stellen:
o Vorstand (Vorsitzender plus mindestens 2 Mitglieder)
o Ausschuss (Kassier, Schriftführer)
o Mitgliederversammlung (1 x jährlich)
Die operativen Geschäfte führt ein von der FBG gewählter und bestimmter Geschäftsführer aus. Alternativ kann diese Leistung auch beim Landratsamt eingekauft werden.
Es werden drei unterschiedliche Typen von Forstbetriebsgemeinschaften unterschieden. Bei allen bleibt die Waldfläche immer im Eigentum der Mitglieder.

Fazit:
Aus Sicht des Forstamts wäre eine Forstbetriebsgemeinschaft aus den Kombinationen der Typen B und C für die vorhandene Struktur im Projektgebiet gut geeignet.
Weitere Informationen zu bestehenden Forstbetriebsgemeinschaften können Sie beispielsweise im Internet unter fbg-alb-donau-ulm.de oder der www.fbg-calw.de finden.
Schlussfolgerung:
Im Rahmen des Privatwaldprojekts Burladingen besteht die perfekte Chance eine Forstbetriebsgemeinschaft zu gründen. Die FBG könnte Sie dann bei der Pflege und Bewirtschaftung Ihres Waldes unterstützen. Die Intensivität der FBG Aktivitäten können Sie selbst mitbestimmen. Ein Abschluss z.B. eines Waldpflegevertrags zwischen Ihnen als Waldbesitzer und der Forstbetriebsgemeinschaft könnte dann die Grundlage für die ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung bilden.
Nutzen Sie diese gute Möglichkeit etwas zum Laufen zu bringen und gründen Sie mit anderen Waldbesitzern eine FBG.

4. Pilotdurchforstungsmaßnahme im Projektgebiet
Wie oben unter Punkt 2a) waldbauliche Situation bereits erwähnt, unterscheiden sich die Waldbestände teilweise stark voneinander. Im Rahmen des Privatwaldprojekts Burladingen ist deshalb eine Pilotdurchforstungsmaßnahme eines ca. 10 Hektar großen, zusammenhängenden Privatwaldkomplexes angedacht.
Damit solch eine übergreifende Maßnahme in Angriff genommen werden kann, benötigen wir Sie als teilnehmende Waldbesitzer:
- Optimal wären möglichst mehrere freiwillige Waldbesitzer mit nebeneinanderliegenden Waldparzellen für eine gemeinsame parzellenübergreifende Durchforstungsmaßnahme.
- Das Forstamt würde die Flächen nach folgendem Schema dann anschließend vorbereiten:
o Ermittlung der mittleren Baumhöhen und der Grundfläche vor der Durchforstung
o Ermittlung der zur Fällung zu markierenden Bäume
o Auf Grundlage der zur Fällung markierten Bäume erfolgt dann die Herleitung der voraussichtlichen Sortimentsverteilung für den Holzverkauf auf der jeweiligen Parzelle
- Nach Abschluss der Holzernte werden die Erlöse des Holzverkaufs und die angefallenen Kosten für die Holzernte anhand der bei der Flächenvorbereitung erhobenen Daten auf den jeweiligen Waldbesitz rückverteilt.

Zum Abschluss dieser Pilotdurchforstungsmaßnahme erhoffen wir uns Rückschlüsse über die Durchsetzbarkeit gemeinschaftlicher Maßnahmen und deren vereinfachte und vereinheitlichte Abwicklung. Solche Durchforstungsmaßnahmen könnten dann zukünftig von der FBG übernommen werden.
Wir, das Forstamt des Zollernalbkreises hoffen , dass wir Ihnen mit diesem Informationsschreiben ein paar Ergebnisse aus den laufenden Arbeiten im Privatwaldprojekt vorstellen und mögliche Ansätze für eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung aufzeigen konnten.
Falls wir Sie zum Nachdenken gebracht haben und Sie eine Frage haben, dürfen Sie sich gerne an uns wenden. Erreichen können Sie uns telefonisch unter 07433 92-1530 oder per E-Mail unter Forstamt.Bereich-Hechingen@Zollernalbkreis.de.
Wir bitten Sie den Fragebogen ((21,7 KB)) über die weitere Zukunft des Projektgebietes an uns bis zum 15. Januar 2021 zurückzusenden. Den direkten Kontakt und das direkte Gespräch mit Ihnen halten wir aber weiterhin für sehr sinnvoll.
Deshalb wird auch eine weitere Informationsveranstaltung stattfinden, sobald es Corona wieder zulässt.

Abschließend wünschen wir Ihnen trotz den aktuellen Umständen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Forstdirektor Schmidt

 
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